Selbstverantwortung übernehmen – Chaos im Kopf und im Außen

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Die Webseite. Sie nervt mich.

Mal eben eine Webseite erstellen? Ja klar.

Nach zwei Monaten, gefühlt jeden Tag zwei Stunden daran gearbeitet (an den Wochenenden noch länger), bin ich immer noch nicht fertig.

Irgendwie stimmt hier der Satz noch nicht, das Bild ist zu fade, die Aufteilung komisch. Und dann diese Technik… Das war der Riesenschritt aus meiner Komfortzone schlechthin. Jeden Tag gab es ein neues Problem vor dem ich stand. Plötzlich hat sich etwas umgestellt, was ich gar nicht angewiesen hatte (Schrift kursiv und nicht „Luana 10“), oder der Klassiker: „Hilfe, lieber Support! Meine bearbeitete Seite ist weg. Ich habe wohl einmal zu wenig gespeichert…“

(Das passiert übrigens nur einmal.)

Ja, und so setzte sich das fort. Hier geschrieben, da Fotos gemacht, Technik gelernt – und wieder neu gedacht.

Ich muss sagen: Ich war wirklich fokussiert. Auf die Webseite, ja. Aber nicht auf den roten Faden. Den habe ich erst verstanden, als ich aufgehört habe, an der Oberfläche rumzudoktern – und angefangen habe zu begreifen, was im Hintergrund passiert. Im „Keller“.
Und plötzlich hatte ich ein „Déjà-vu.

Was hat das mit dem Gastgewerbe zu tun?

Ebenso starke Hintergrundtätigkeiten habe ich im Gastgewerbe erkannt.

In meiner Ausbildung zur Hotelfachfrau, hat mich mehr die Tatsache fasziniert, was alles im Hintergrund geschieht, im Keller – als selbst auf dem Schauplatz zu stehen.

Ich liebte es, durch die Gänge und geschäftigen Räume des Untergeschosses zu laufen und zu sehen, was wirklich hinter so einem 5-Sterne-Hotel steckt. Die Patisserie, wo all diese leckeren Kuchen und Kleinigkeiten hergestellt wurden.
In der Blumenküche Gestecke für große Festlichkeiten arrangieren.
In der Wäscherei ganz banal versuchen, ominöse Flecken zu entfernen und später alles durch die Mangel zu drehen, lachend mit Kolleginnen. Herrlich. Hier war es lebendig, echt und manchmal chaotisch.

Vorne war alles förmlich, korrekt, geschniegelt, durch-inszeniert. Aber eins war klar: Ohne das, was hinten läuft, funktioniert vorne nichts.
Der Gast darf sich fallenlassen. Weil im Hintergrund Verantwortung übernommen wird.

Und irgendwann fiel mir auf: Genauso ist es auch bei uns selbst

Aufgaben kannst du abgeben. Verantwortung nicht.

Ist es dein Geld oder das des Steuerberaters?

Ist es deine Webseite oder die des Designers?

Ist es dein Körper oder der des Arztes?

Und wenn etwas schiefläuft? Wer trägt dann die Verantwortung?

Natürlich gibt es jede Menge Absicherungen. Rechtstexte. DSGVO. Haftungsausschlüsse, die länger sind als dein erster Liebesbrief.

Warum?

Weil Verantwortung heute oft weitergereicht wird. Von einem zum nächsten.

Und mal ehrlich: Viele unserer Probleme wären kleiner, wenn wir wieder mehr Selbstverantwortung übernehmen würden. Nicht aus Pflichtgefühl. Sondern aus Bewusstsein.

Selbstverantwortung übernehmen – das ist der Wendepunkt.
Und ja – man sucht sich nicht alles aus.
Nicht jeden Chef. Nicht jede Reaktion, nicht jede Situation. Nein. Manches passiert. Trotzdem hast du eine Wahl. Immer. Du entscheidest, wie du auf etwas reagierst. Und damit bestimmst du dein Leben. Jeden Moment.

Noch kraftvoller wird es, wenn du nicht nur reagierst, sondern agierst. Nicht erst wartest, bis etwas geschieht, sondern vorher weißt, was du willst – und handelst. Damit bestimmst du dein Leben bewusst.

Und eigentlich geht es gar nicht um Technik

Vielleicht geht es gar nicht nur um Technik. Vielleicht ging es erst mal darum zu verstehen, wie Dinge gesteuert werden. Nicht nur abarbeiten, anderen zuschieben, sich bequem zurücklehnen. Und sich später dann wundern.
In den eigenen Keller zu gehen, ist nicht glamourös. Dort wartet kein Applaus. Nur verstaubte alte Kartons mit Mustern, alten Prägungen, und vergessene Geschichten, die man längst vergessen hatte.

Auch wenn es dich im ersten Moment überfordert, aus deiner Komfortzone schubst, dich mit dem Gesicht in den Wind dreht – du wirst erstaunt sein, wie vielfältig du bist. Wie tiefgründig. Wie unerforscht und doch ganz du.

Es ist dein Leben.

Selbstverantwortung heißt nicht alles alleine machen zu müssen. Sondern wissen, was dir gehört – und was nicht mehr.

Hab den Mut, dich selbst wieder ernst zu nehmen, für dich und dein Leben.